Äshetisches Statement: Affekte, Alte Musik und innovative Formate

Arroyo interessiert sich für affektive Aspekte der Vokal- und Instrumentalmusik. Aktuell entwickelt er die Grundlage einer Ästhetischerichtung (“Affekte im Kontext transformativer Erfahrung”) zusammen mit dem Philosophen Dr. Friedrich Hausen, in welcher Elemente der Alten Musik neu betrachtet und umgesetzt werden. Konkret geht er von der barocken Affektenlehre aus, um neue kompositorischen Ausdrücksmöglichkeiten zu entfalten. Affekte wie Wut, Freude oder Trauer werden in seiner Musik auf einer ambivalenten Weise umgesetzt, indem alle Klangqualitäten einer Situation (bspw. Panik oder Ekstase) systematisiert und verwendet werden. Beispiele dieser Kompositorischenrichtung sind seine Opern „ONIROS. Ein Musiktheater der Träume“, “Murmullo de otra luz” “Mythos der Freude“, oder “LABRYS. Ein Musiktheater des Labyrinths” (Uraufführung in Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste).

Arroyos (Instrumental)Musik ist auf einer charakteristischen Weise artikuliert: Der Klang wirkt als ein „Meta-instrument“, eine akustische Illusion, wo verschiedene Instrumente in einer Klangeinheit “getarnt” oder fusioniert zu hören sind. Dies entfaltet sich durch die Zeit als wäre der Klang Skulptur bzw. das Materielle und Körporliche an dem Klang spielt eine zentralle Rolle.

Sein Interesse an innovativen Formaten und Instrumenten haben ihn dazu gebracht, Artistic Research- und Interdisziplinäre-Projekte mit KünstlerInnen anderer Disziplinen zu entwickeln (Literatur: Carmen Guaita, Ferdinan Viconcaij, Guadalupe Grande oder José Miguel Ullán; Tanz: Pablo González; Sarah Maria Sun; Präpariertes Bass Saxofon mit Trompetendämpfer zusammen mit Andrés Gomis/SIGMA Project; neue Perkussion Instrumente Sisco Aparici/Synergein Project; Stücke für historische Instrumente wie ein mikrointervallisches Arciorgano, Cembalo; Skulptur: Leando Alonso; Malerei: G. Richter, Licht und Raumdramaturgie: Romy Rexheuser, Raúl Marcos, etc.)

Vita

Alberto Arroyo wurde 1989 in Spanien geboren. Er studierte Komposition am Conservatorio Superior de Música de Aragón (Spanien) bei José M. Sánchez-Verdú und Agustín Charles und absolvierte seinen Masterstudiengang an der Hochschule für Musik Dresden bei Prof. Mark Andre und Prof. Manos Tsangaris. Derzeit promoviert er in Dresden bei Prof. Dr. J.P. Hiekel.

Arroyo ist Gründer und künstlerischer Leiter des Ensembles „Continuum XXI“, welches sich auf das Spiel mit historischen Instrumenten im Bereich der Alten und auch Neuen Musik spezialisiert hat – Continuum XXI ist Stipendiat der Stiftung Deutsche Orchester (#MusikerZukunft) und gehörte 2018 zu „Förderprojekte Zeitgenössische Musik“ (aktuell Podium Gegenwart) als innovative und junge Initiative und wurde vom Deutschen Musikrat gefördert. Er ist Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik Dresden (Korrepetition Neue Musik Masterstudiengang) und Lehrer für Musiktheorie, Komposition und Gehörbildung an der MTKS Bannewitz. Im Jahr 2022 ist er ‚Composer in Residence‘ bei AuditivVokal Dresden (Künstlerischer Leiter, Olaf Katzer). Seine erste Oper „ONIROS. Ein Musiktheater der Träume“ wurde 2021 in Dresden uraufgeführt und seine zweite „LABRYS. Ein Musiktheater des Labyrinths“ in 2023 in Hellerau Festspielhaus. Seit 2022 ist Arroyo Geschäftsführer der NEOS-Musikstiftung.

Weiter arbeitet er regelmäßig mit namhaften Ensembles wie bspw. den Neuen Vokalsolisten Stuttgart, Ensemble Recherche, dem AuditivVokal Dresden, SIGMA Project, dem Trío Arbós (National Music Prize Spanien), dem El Perro Andaluz, der Kammerakademie Potsdam, dem Dresdner Barockorchester, dem Vertixe Sonora, dem Voktett Hannover, der Singakademie Dresden, u.a., zusammen. Konzerte führten ihn bereits nach Berlin, Stuttgart, Leipzig, Hannover, Toulouse, Barcelona, Salzburg, Tokyo, Moskau, Saragossa, Zagreb, São Paulo und Santiago de Compostela. Seine Musik wurde in vier CDs veröffentlich, inklusiv eine Portrait CD.

Sein musikalisches Talent wurde bereits sehr früh erkannt und mit Stipendien und Preisen gefördert. So erhielt er bspw. den „Fourth International Sergei Slonimsky Competition”, “Beyond Bounderies Thailand New Music and Art Symposium 2019” ein Stipendium der INMM, des DAADs sowie ein Stipendium für die Sommerakademie des Mozarteums im Jahre 2012. Ferner war er Stipendiat der „Fundación SGAE“ und vier Jahre des Spanischen Ministerium für Kultur und Erziehung. Besonders hervorzuheben ist seine Auszeichnung „Premio Jóvenes Compositores Fundación Autor-CDM“ – er war der jüngste Komponist, der je für diesen Preis nominiert wurde.

Artikel über ihn wurden in Bücher, Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht bspw. „Gegenwart und Zukunft des Musiktheaters. Theorien, Analysen, Positionen“ oder „Maestros y discípulos“ (ABC Zeitung). Arroyo hat musikwissenschaftliche Texte für MusikTexte, Emille-KEAMS, u.a. geschrieben. Seine Partituren werden in BabelScores veröffentlicht.

Arroyos Kompositionen sind auf verschiedenen Ebenen artikuliert: Der Klang wirkt als ein „Meta-instrument“, eine akustische Illusion, wo verschiedene Instrumente in einer Klangeinheit getarnt oder fusioniert zu hören sind. Andererseits kann seine Arbeit im Musiktheater als “Poesie des Verbergens” bezeichnet werden, da sie versucht, den Hörer zu desorientieren, indem verschiedene Klangquellen visuell und akustisch verborgen werden. Damit wird eine “Schönheit dessen, was nicht gesehen werden kann, des Unfassbaren” gesucht. Das Kino des Filmregisseurs Michael Haneke war in diesem Sinne für Arroyo entscheiden.

(Akt. August 2023)